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Reisebericht Normandie und Bretagne 2016 von Ingrid Heidsiek

Dienstag, 06.09.2016
Pünktlich wurden wir drei Bielefelder Ehepaare vom BE-Bus mit Ingrid und Jürgen Gronert gegen 07.00 Uhr am vereinbarten Treffpunkt am Lipper Hellweg in Bielefeld abgeholt. Im Bus saßen bereits die in Minden eingestiegenen Teilnehmer. In Sennestadt kamen noch 2 weitere Personen dazu. Bei schönstem Spätsommerwetter ging die Fahrt über Venlo, Antwerpen, Brüssel zur alten Metropole des Herzogtums der Normandie, nach Rouen. Hier trafen wir nach einer ruhigen Fahrt gegen 18.00 Uhr ein. Wir fuhren streckenweise über sehr gut gepflegte Autobahnen, die von privaten Gesellschaften unterhalten werden und mautpflichtig sind. Für drei Tage sollte das Novotel Rouen Sud unser Übernachtungsquartier sein. Das Abendessen war ausgezeichnet und ein „Absacker“ an der „Setra-Bar“ sorgte für einen guten Tagesabschluss.

Mittwoch, 07.09.2016
Auch heute schien die Sonne und ein ausgezeichnetes Frühstücksbuffet sorgte für einen guten Start in den Tag. Dass in Frankreich fast nur mit Weißmehl gebacken wird und es so gut wie keine Vollkornprodukte gibt, war uns ja bekannt. Auf dem Programm stand zunächst eine Stadtführung durch Rouen, der Stadt der 100 Kirchen und 1000 Fachwerkhäuser, mit dem Fremdenführer „Erol – Friedhelm“ (deutsche Mutter, französischer Vater). Mit seinem ausgezeichneten Wissen brachte er uns die Geschichte der Normandie näher. Das von den Römern gegründete und vom Wikinger oder Normannen Rollo 911 nach einem Friedensvertrag zur Hauptstadt der Normandie erkorene Rouen ist dank seiner günstigen Lage zwischen Paris und der Atlantikküste heute eine bedeutende Hafenstadt. Sie steht unter Frankreichs Häfen an 5. Stelle. Unser Rundgang führte uns durch malerische Gassen der Altstadt mit seinen alten mittelalterlichen Fachwerkhäusern zur imposanten Cathédrale Notre- Dame, zum Uhrenturm Gros Horloge mit nur einem Stundenzeiger, zum im gotischen Stil fantastisch anzusehenden Justizpalast, zum früheren Friedhof mit seinen Beinhäusern und zum Place du Vieux Marché mit der modernen Sühnekirche zum Gedenken an die Verbrennung der Jeanne d’Arc (Jungfrau von Orléans). Nach einer Mittagspause sollte unsere Reise mit dem Bus weitergehen. Leider fehlte ein Ehepaar. Es hatte sich verlaufen und konnte erst nach einer halben Stunde vom Suchtrupp aufgespürt werden. Erleichtert setzten wir dann, allerdings ohne Reiseführer „Friedhelm“, die Fahrt fort. Auf dem Weg zur Alabasterküste machten wir einen Zwischenstopp bei einer der zahlreichen Abteien dieser Gegend, St.-Martin-de-Boscherville. Alabasterküste nennt man die weißen Kreideklippen nördlich von Le Havre. Besonders hoch und bis zu 126 m sind sie bei Fécamp und Étretat, wo die Natur eine riesige Nadel und einen spektakulären gotischen Bogen daraus geformt hat. Bevor wir die Strände dieser beiden Orte besuchten, erwartete uns in Fécamp die Destillerie Bénédictine im imposanten Gebäude zu einem geführten, eindrucksvollen Rundgang. Hier konnten wir dann auch den ursprünglich von Mönchen destillierten hochgeschätzten Kräuterlikör „Benedictiner“ probieren. Zurück am Hotel erwartete uns wieder ein leckeres Abendessen und auch die „Setra-Bar“ hatte geöffnet. Eine Runde ging auf das Ehepaar, das am Mittag den Bus nicht gefunden hatte. Danke!

Donnerstag, 08.09.2016
An diesem Tag begleitete uns der Fremdenführer „Friedhelm“ während der gesamten meist sonnigen Tagesfahrt. Auf dem Weg von Rouen nach Le Havre überquerten wir die Seine über die Brücke Pont de Tancarville und sichteten die hohen Kalksandsteinfelsen. Le Havre fungiert als Vorhafen von Paris. Die Stadt wurde im 2. Weltkrieg fast völlig zerstört und die ganze Innenstadt aus Beton mit vier- und rechteckigen Gebäuden bzw. Räumen unter der Leitung des Architekten Auguste Perret wiederaufgebaut. Diese innovative Stadtgestaltung wurde 2005 als außergewöhnliches Beispiel der Nachkriegsarchitektur und Stadtplanung zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt. Beeindruckt waren wir von der erhebenden Atmosphäre in der katholischen Kirche Saint-Joseph mit ihrem achteckigen Turm. Weiter ging es über die längste Spanndrahtbrücke der Welt, die Pont de Normandie mit ihren schlanken Pylonen, die sich über der Seinemündung erstreckt. Die 1995 dem Verkehr übergebene 2143 m lange Brücke schwingt sich in einem saften Bogen von Le Havre bis Honfleur. Sie muss mitunter Windstärken von mehr als 180km/h standhalten. Honfleur mit seinem malerischen alten Hafen, dessen Kai hübsche bis zu sieben Stockwerke hohe, aber schmale Häuser mit Restaurants und Galerien säumten, ist eine Augenweide für jeden Besucher. Unzählige Menschen genossen die Außengastronomie am Hafenbecken. Außergewöhnlich war auch die Holzkirche mit dem frei stehenden Glockenturm. Mondän und ganz im Stil der Belle Epoque erlebten wir das Seebad Deauville. Hier fand gerade das amerikanische Filmfestival statt. Über einen ausgerollten roten Teppich erreichten wir die „Planches“, die weitläufige hölzerne Strandpromenade. Leider reichte die uns vorgegebene Verweildauer nicht, um über den ausgedehnten Strand ans Wasser zu gelangen und unsere Füße im Atlantikwasser zu baden. Deauville ist auch bekannt für Europas modernster Pferderennbahn Hippodrome de Clairefontaine. Das fruchtbare, bäuerliche Hinterland der Blumenküste ist ein riesiger Obstgarten. Hier gedeihen die besonderen Äpfel für Cidré und Calvados. In einer Calvados-Brennerei wurde uns die Herstellung dieses edlen Getränkes näher gebracht mit anschließender Verkostung. Diese Gegend ist auch die Heimat des Camemberts. Den letzten Abend in unserem Hotel in Rouen ließen wir unter reger Beteilung an der „Setra-Bar“ ausklingen.

Freitag, 09.09.2016
Wieder Sonne pur. Mit gepackten Koffern erschienen alle Reiseteilnehmer überpünktlich um 8.30 Uhr am Bus. Aufgrund des uns bereits bekannten roulierenden Systems konnten wir heute in der ersten Busreihe sitzen. Unser nächstes Übernachtungsquartier befand sich in Saint Malo/Bretagne im Hotel de France et de Chateaubriand. Unser Weg dorthin führte uns zunächst über Caen, der Hauptstadt der Unteren Normandie und Ruhestätte der großen Wikinger, an die Landungsküste der Alliierten bei Arromanches. Hier sichteten wir noch die Spuren bzw. Betonreste der historischen Kriegsereignisse von 1944. Auf einen Film im Museum, der die damaligen Geschehnisse im 2. Weltkrieg wiedergeben soll, verzichteten wir. Er war lt. Ingrid Gronert zu emotional. Beeindruckend war dann auch die Besichtigung des Wandteppichs von Bayeux. Dieser prächtige Teppich ist 900 Jahre alt, 70 m lang und 45 cm hoch. In 58 Szenen ist darauf der Sieg des Normannen Wilhelm des Eroberers über England im Jahre 1066 dargestellt. Aufgrund einer Audioguide-Führung konnten wir die mit Wollgarn gestickte Bilderfolge (eine enorme Arbeit) gut nachvollziehen. Nach einer Mittagspause - Jürgen Gronert servierte heiße Würstchen am Bus - fuhren wir weiter Richtung Mont-Saint-Michel. Und schon bald sahen wir in der Ferne diesen berühmten Klosterberg, der sich majestätisch aus dem Meer erhebt. Zusammen mit dem Felsen ist er ca. 150 m hoch. Auf der Spitze des vom Wasser umspülten Berges ließ im 8. Jahrhundert der Bischof Aubert von Avranches eine Kapelle errichten, im 10. Jahrhundert ließen sich Benediktinermönche in der dann gebauten Abtei nieder, während sich darunter ein Dorf entwickelte, das sich im 14. Jahrhundert bereits bis an den Fuß des Felsens erstreckte. Mittels eines Shuttlebusses erreichten wir dieses Wunderwerk aus fein gemeißelter Architektur, um es zu besichtigen. Bis zur Kathedrale auf der Spitze des Berges mussten unzählige Stufen (wir hörten von 400 Stück) überwunden werden, eine große Anstrengung. Daher mussten leider einige Teilnehmer unserer Gruppe auf die geplante Audioguide- Führung verzichten. Schade! Gegen Abend erreichten wir das direkt in der historischen Altstadt bzw. auch an der Stadtmauer der Hafenstadt Saint Malo gelegene schmucke Hotel de France et de Chateaubriand. Das Gebäude selbst gilt als historisches Monument. Die bei schönstem Sommerwetter direkt vor der Haustür von zahlreichen Menschen besuchte Außengastronomie erzeugte eine besondere Atmosphäre. Der Bus musste vor der Stadtmauer halten. Ein Hotelbus beförderte unsere Koffer. Ein super Abendessen im ehrwürdigen Speisesaal rundete den guten Eindruck des Hotels ab. Jeder konnte den Abend individuell genießen, z. B. bei einem Gang über die Stadtmauer oder bei einem Altstadtbummel oder ganz einfach im Hotel. Die Altstadt von Saint-Malo lebt wie eh und je in stolzer Abgeschiedenheit hinter ihren Befestigungsmauern, auf drei Seiten von Meer und Hafen umgeben. Die Wehrmauern stammen aus dem 12. Jh. und wurden im Laufe der Zeit wesentlich verändert. Von hier aus kann man die Reihen von Häusern aus grauem Granit und das Meer überschauen.

Samstag, 10.09.2016
Heute hieß es, sehr früh aufstehen. Ein ganztägiger Ausflug auf die größte der Frankreich vorgelagerten Kanalinseln - Jersey - stand an. Die Fährfahrt dauerte 90 Minuten. Da Jersey aber eine englische Insel ist, fand am Hafen die Abfertigung der Passagiere fast wie auf einem Flughafen statt einschließlich Pass- und Personenkontrolle mit teilweiser Leibesvisite. Auf Jersey erwartete uns Helga, eine ehemalige Deutsche. Sie brachte uns bei einer 4-stündigen Rundfahrt über die Küstenstraße die Schönheiten der Insel näher und erzählte uns vom Leben auf Jersey. Jersey ist auf Granitfelsen gebaut und wir sahen unterschiedliche Landschaftsbilder, nette kleine Orte mit verwunschenen Gärten, urige bewaldete Regionen, teilweise sehr felsige Küstenabschnitte, urige Strände, aber auch feudale Sandstrände für Urlauber. Der Tidenhub, also der Unterschied zwischen Ebbe und Flut, beträgt bis zu 9 m. Bei unserem Besuch lagen die kleinen Schiffe bzw. Boote gerade auf dem Trockenen. Jersey ist ein eigener englischer Staat, gehörte auch vor dem „Brexit“ nicht zur EU. Jersey hat eine eigene Währung, das englische Jersey-Pfund. Hier scheint die Welt noch ziemlich in Ordnung zu sein. Es gibt eine geringe Arbeitslosenzahl, wenig Kriminalität, keine Migranten, eine gute Krankenversorgung. Jeder kann sein Kind entweder auf eine private oder staatliche Schule schicken. Leider nieselte es am Nachmittag, als wir in Eigenregie die Altstadt von St. Hélier, der Hafen- und Hauptstadt, erkunden konnten. St. Hélier ist im viktorianischen Stil erbaut, kann mit französischer Eleganz aufwarten und ist trotzdem sehr britisch. Als wir gegen 21.00 Uhr wieder das Festland erreichten, freuten wir uns nach einem erlebnisreichen Tag auf unser Hotelzimmer.

Sonntag, 11.09.2016
Wir konnten mal lange ausschlafen. Um 11.00 Uhr fuhren wir ins für seine Austernzucht berühmte nahe liegende Fischerdorf Cancale. Jürgen Gronert lud zur Austernprobe ein. Mein Mann und ich probierten zwar keine, aber allein das Erlebnis war sehr schön und auch das sonnige Wetter spielte wieder mit. Die vielen kleinen Restaurants im Hafen waren überfüllt. „Der Franzose geht essen, besonders am Sonntagmittag“. Für den Nachmittag hatte sich Fremdenführer „Friedhelm“ noch einmal angesagt und berichtete bei einem Rundgang anhand kleiner Geschichten über die Historie, Belagerung und Eigenständigkeit Saint Malos. Auch gab er uns zu verstehen, dass zum einen auch heute noch die Menschen aus der Normandie und der Bretagne nicht gut aufeinander zu sprechen sind und alle sich nicht als richtige Franzosen fühlen. Mein Mann und ich hatten die freie Zeit genutzt, um auf der Stadtmauer die Altstadt zu umrunden und die phantastischen Ausblicke zu genießen. Wir entdeckten die von unzähligen Menschen genutzten Strandabschnitte hinter der Stadtmauer und kamen zu der Überzeugung: „Hier könnten wir gerne noch ein paar Tage urlauben.“

Montag, 12.09.2016
Wir verließen bei regnerischem Wetter um 8.30 Uhr die Bretagne und reisten weiter in Richtung Paris. Doch schon bald wurde es wieder sonniger und immer wärmer. Wir kamen an riesigen Kornfeldern vorbei. Das Gebiet zwischen Loire und Paris wird der Brotkorb Frankreichs genannt. In dieser Gegend liegt der Ort Chartres. Wir hatten Gelegenheit, dort die majestätische und imposante Kathedrale Notre-Dame de Chartre zu besichtigen. Chartre ist ein bedeutender Wallfahrtsort, der jedes Jahr tausende Pilger und Besucher begrüßt. Die 176 bunten Kirchenfenster verfügen über eine bedeutende Verglasung, teilweise mit dem unnachahmlichen Kobaltblau, dessen Herstellungsgeheimnis noch immer wohl gehütet wird. Auch die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche verfügt über Fenster aus Chartre mit dem besonderen „blau“. Gegen 16.30 Uhr erreichten wir unser Ibis-Hotel Porte d’Orléans im Pariser Vorort Montrouge. Das Thermometer war inzwischen auf 35Grad geklettert. Nun hieß es noch schnell frisch machen, umziehen, Essen suchen (war nicht einfach, Lokale öffnen in der Regel erst um 19.00 Uhr).Um 19.00 Uhr fuhr uns dann Jürgen Gronert durch das abendliche und heiße Paris (eine Meisterleistung bei dem enormen Verkehr) und zeigte uns die Sehenswürdigkeiten dieser großen und quirligen Stadt an der Seine, in der etwa 20 % der Gesamtbevölkerung Frankreis leben (Stadtkern etwa 2,2 Mill., Vororte und Randbezirke ca. 10 Mill.). Wir sahen u. a. den Louvre, die Oper, Arc de Triomphe, Champs-Elysées, Place de la Concorde und natürlich den beleuchteten Eifelturm. Und natürlich immer wieder viele, viele Menschen in den Straßen bzw. Straßencafes. Die abendliche Atmosphäre am Eifelturm war schon besonders. Der Höhepunkt war dann die 1-stündige Lichterfahrt auf der Seine bei noch 30 Grad. Unzählige Menschen saßen oder tanzten gegen 23.00 Uhr noch am Seine-Ufer.

Dienstag, 13.09.2016
Frühstück gegen 6.30 Uhr, Koffer gepackt und ab ging es gegen 8.00 Uhr mit vielen Eindrücken und Erinnerungen über Belgien, Aachen, Düsseldorf heimwärts, wo wir um 19.00 Uhr in Bielefeld wieder eintrafen. Ca. 2670 km lagen hinter uns. Wir waren eine homogene Reisegruppe, niemand ist krank geworden und wir haben uns bei Ingrid und Jürgen Gronert sehr gut aufgehoben gefühlt.

Ingrid Heidsiek