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Nordkap und Lofoten vom 7.7. bis 21.7.2019

Ein Reisebericht von Heidi Skoda

Sonntag, 7. Juli

Dänemark, Schweden, Finnland und Norwegen, 15 Tage und 6000 km liegen vor uns.

Sonntag, den 7.7. geht es los. Am frühen Morgen versammeln wir uns auf dem Betriebshof in Minden. Noch kennt keiner den anderen, aber das wird sich in den nächsten Tagen sicher ändern. Allmählich füllt sich der Bus, die Koffer werden verstaut und ziemlich pünktlich fährt der Bus vom Hof, auf geht es in Richtung Norden. Über Hamburg und Lübeck geht die Fahrt auf die Insel Fehmarn. Zwischendurch machen wir eine Pause, haben Zeit zum Beine vertreten und für einen kleinen Imbiss.

In Puttgarden geht es auf die erste Fähre bis nach Rodby, sie fährt etwa 45 Minuten. Wir überqueren Lolland und fahren dann unter einem See entlang, ein bisschen seltsam und unheimlich, auf die Insel Falster, weiter auf die Insel Seeland bis nach Kopenhagen. Nach einer Stadtrundfahrt und unserem ersten leckeren skandinavischen Softeis fahren wir weiter Richtung Norden nach Helsingör und von dort mit der nächsten Fähre nach Helsingborg hinüber. Nun haben wir das erste Land schon hinter uns und befinden uns  auf schwedischem Boden. Gegen 18 Uhr erreichen wir unser erstes Hotel, das Scandic in Helsingborg. Da wir aus dem Koffer leben, haben wir mit Aus- und Einpacken nicht viel zu tun, nur die Kulturtasche wird geleert.

Wir treffen unsere Gruppe zum ersten gemeinsamen Essen. Am Büfett bedienen wir uns ausgiebig. Besonders lecker sind die Vorspeisen. In allen Hotels, in denen wir in den nächsten Tagen übernachten, steht Wasser automatisch auf den Tischen. Andere Getränke müssen wir extra bezahlen, aber das verkneifen wir uns meistens angesichts der Preise in Skandinavien!

Montag, 8. Juli

Zeitig treffen wir uns zum Frühstück, da wir heute ein Tagespensum von ca. 560 km vor uns haben. Und da wir das Frühstücksbüfett in den Hotels geniessen wollen, verzichten wir lieber auf eine halbe Stunde Schlaf. Wir stellen schnell fest, dass man die Brötchen hier vergessen kann, aber das Brot ist total lecker, frisch gebacken und manchmal noch warm.

Heute geht die Fahrt nun durch Schweden bis zu unserem Tagesziel Stockholm. Wir sehen viel Landschaft und Wälder, nur ein Elch, auf den alle warten, lässt sich nicht sehen. Das Wetter wird im Laufe des morgens immer besser, um 11 Uhr haben wir schon 21°. Vorbei geht es an der Stadt Jönköping, die am Vätternsee liegt. Um die Mittagszeit machen wir in der Nähe einer Burgruine unsere erste rustikale Mittagspause. Brot, Butter, Käse Wurst, Tomaten, Paprika und Gurken kommen auf den Tisch. Und das bei schönem Wetter, besser geht es nicht. Wir sehen uns noch die Burgruine an, von dort oben hat man einen herrlichen Blick auf die Landschaft.

Es ist 14.30 Uhr, Stille herrscht im Bus. Mittagspause. Uns fällt auf, dass die Gegend hier sehr steinreich ist und an den Straßenrändern sind fast überall breite blühende Randstreifen, überwiegend sehr viele wilde Lupinen. Herrlich sieht das aus. Etwa alle zwei Stunde wird eine Pause gemacht. Auf die rustikalen Toiletten hatte man uns schon auf dem Vorbereitungstreffen hingewiesen. Für uns als Landeier nicht so das Problem, Plumpsklos halt, kennen wir noch aus unserer Kindheit, obwohl der Geruch nicht immer angenehm ist. Aber für Stadtkinder sicher gewöhnungsbedürftig. Da zieht doch manch einer die freie Natur vor...

Wir fahren etwa 60 km an dem 135 km langen Vätternsee entlang, dann geht es über Linköping und Norrköping immer auf der E4 entlang weiter bis Stockholm. Am frühen Abend erreichen wir das Scandic Ariadne Hotel in der schwedischen Hauptstadt. Nach dem Essen treffen wir uns noch am Bus, trinken zusammen ein Bier und lernen uns dadurch untereinander ein bisschen besser kennen.

Dienstag, 9 Juli

Da wir heute noch eine Stadtführung durch Stockholm machen, frühstücken wir bereits um 7.15 Uhr. Heute abend geht es auf unser Schiff nach Finnland, daher haben wir unsere etwas kleinere Tasche mit dem Notwendigsten gepackt, damit wir nicht den großen Koffer mit aufs Schiff schleppen müssen.

Es ist heute morgen noch ein bißchen frisch und regnerisch. Vor der Stadtführung fahren wir noch erst zum VASA-Museum. Hier liegt das Schiff „VASA“. Nach seinem Untergang 1628 nach nur 1.300 m Fahrtstrecke wurde es 1956 wiederentdeckt und 1961 geborgen. Der Besuch dieses Museums lohnt sich wirklich, ist schon imposant, das riesige Schiff aus Holz mit seinen vielen Verzierungen.

Dann beginnt die Stadtführung.  Stockholm ist eine wunderschöne Stadt, auf 14 Inseln gelegen, die durch 57 Brücke miteinander verbunden sind. Ein Drittel der Stadtfläche besteht aus Wasser, 40 % der Landfläche aus Parks und Naturschutzgebieten. Zur Verkehrsentlastung gibt es ein ausgeklügeltes Tunnelsystem, in das wir immer mal wieder eintauchen. Nach der Stadtführung haben wir noch drei Stunden Freizeit. Wir bummeln ein bisschen durch die Straßen, essen ein Smörrebröd und bewundern die schmalen Gassen, in die man immer mal wieder einen Blick werfen kann. Leider ist heute ein ungemütlicher kalter Wind und so sind wir froh, als wir um 15.15 Uhr unseren Bus wieder besteigen können. Nun geht es direkt zu unserem Schiff, der Silja Symphony. Das Einchecken geht schnell und problemlos vonstatten. Schnell Gepäck in die Kabine, dann treffen wir uns auf Deck 12 im Außenbereich. Wir wollen von hier aus das Auslaufen des Schiffes beobachten. Obwohl das Bier auch hier recht teuer ist, gönnen wir uns jetzt doch eins, setzen uns an einen Tisch und sehen auf die Stadt hinunter. Beim Auslaufen des Schiffes haben wir einen tollen Ausblick auf die Schären, eine wunderschöne Landschaft.

Mittwoch, 10. Juli

Sechs Uhr aufstehen! Zeitig zu 7 Uhr gehen wir zum Frühstück. Das Frühstück ist super, es gibt wirklich alles mögliche, von den üblichen Sachen bis zu skandinavischen Spezialitäten. Nachdem wir die finnische Hauptstadt erreicht haben, verlassen wir das Schiff. Unser Bus wartet bereits auf uns, nun machen wir noch eine Stadtrundfahrt in Helsinki. Helsinki ist eine sehr schöne Stadt und das Wetter spielt auch mit, wir haben mittlerweile 23°. Nach der Stadtrundfahrt haben wir noch Zeit in Helsinki, wir bummeln zum nahe gelegenen Marktplatz, essen eine Kleinigkeit und sehen uns noch in der Markthalle um, in der es viele finnische Spezialitäten gibt.

Nun beginnt unsere Fahrt durch Finnland. In den nächsten Tagen sehen wir viel Natur und Bushaltestellen und noch mehr Natur. Manchmal sehen wir eine Stunde lang kein anderes Fahrzeug. Wir machen einen Zwischenstopp in Lahti, bekannt durch die Skiweltmeisterschaften, die dort bereits sieben mal stattgefunden haben. Weiter geht die Fahrt. Die Autobahn hier in Finnland ist zum Teil ohne mittlere Abgrenzung, da sie im Notfall auch als Landebahn benutzt wird. Wir sind jetzt hauptsächlich darauf fixiert, endlich einen Elch zu entdecken, aber leider ist keiner in Sicht.

Am frühen Abend erreichen wir das Hotel Oscar in Varkhaus. Vor dem Essen haben wir noch Zeit für einen kleinen Spaziergang, das tut ganz gut nach der langen Busfahrt. Varkhaus ist eine typisch finnische Stadt und ein Viertel der Gesamtfläche besteht aus Wasser.

Donnerstag, 11. Juli

Heute besuchen wir schon um 9 Uhr ein Musikinstrumenten-Museum in der Nähe von Varkhaus. Der Besuch lohnt sich wirklich! Vater und Sohn, aus Deutschland, sind mit Leib und Seele dabei und zeigen uns die urigsten Musikinstrumente, erzählen und singen dazu. Die Instrumente kommen aus allen Teilen der Welt und funktionieren zum großen Teil. Sie wurden von den beiden in Eigenarbeit restauriert und wieder instand gesetzt. Wirklich unterhaltsam, die Zeit dort. Unser nächster Stopp ist in Lisalmi. Hier gibt es einen hohen Aussichtsturm. Um 13.00 Uhr machen wir wieder ein rustikales Picknick. Über die Versorgung können wir uns wirklich nicht beklagen.

Etwa 200 km vor unserem Tagesziel beginnt das Rentiergebiet. Und endlich sehen wir auch das erste Rentier! Und dann machen wir Halt beim „Stillen Volk“. Das muss man gesehen haben, ein Volk aus 1000 Figuren, bekleidet mit Hosen, Röcken, Kleidern und Anzügen. Wir wandern zwischen den Figuren herum, staunen über die zum Teil so gut erhaltene Kleidung, als wäre sie gerade erst hier deponiert worden. Die Köpfe der Figuren sind aus Torf. Reijo Kela ist der geistige Vater des stillen Volkes, das seit 1994 an diesem Standort steht.

Dann erreichen wir unser Tagesziel, Kuusamo. Kuusamo liegt sehr nahe an der russischen Grenze. Wir wohnen in einer tolle Hotelanlage, in dem Holiday Club Kuusamo Tropiikki. Hier gibt es ein Hotel und eine Ferienhausanlage. Nach dem Abendessen machen wir noch einen Spaziergang durch die Anlage.

Freitag, 12. Juli

Es regnet. Um 8.30 Uhr geht es wieder los. Hinter Posio geht es auf kleineren Straßen noch tiefer in die Wälder. Hier ist wirklich nur noch Natur pur. Wir fragen uns, wie die Kinder jeden Tag zur Schule kommen und wie oft die Leute einkaufen fahren. Sie sind fernab des nächsten größeren Ortes. Und wir erfahren, dass die Kinder wirklich jeden morgen von Bussen eingesammelt werden und nicht, entgegen unserer Vermutung, in Internaten leben. Ja, man muß hier wahrscheinlich geboren sein, um mit dieser Einsamkeit zurecht zu kommen.

Beim Dörfchen Anti ist ein kleiner Wasserfall, wir machen dort eine Pause. Auch hier stehen wieder die sehr rustikale Toiletten, von außen sehr niedlich anzusehen, mit grasbewachsenen Dächern. Diese bewachsenen Dächer findet man übrigens auch auf größeren Häusern, sehr lustig anzusehen, zum Teil wachsen ganze Bäume auf den Dächern. Die Fahrt geht jetzt immer höher auf die Berge. Total einsam, kaum ein Auto begegnet uns. Inzwischen scheint die Sonne und wir haben 15°.

Um die Mittagszeit machen wir einen besonderen Halt: Beim Weihnachtsmann in Rovaniemi. Hier ist das ganze Jahr Weihnachten. Man kann Weihnachtspost verschicken, die erst kurz vor Weihnachten ankommt. Oder ein Fotoshooting mit dem Weihnachtsmann machen oder sein Rentier streicheln. Hier gibt es ein Hotel und kleine Hütten zum Übernachten. Wir bummeln durch das Dörfchen, essen eine Kleinigkeit und verschicken natürlich Weihnachtskarten. Am frühen Nachmittag erreichen wir dann den Polarkreis. Den können wir natürlich nicht einfach so überqueren, dass ist schon etwas besonderes. Also muss es auch etwas besonderes zu trinken geben: Eine leckere Bowle!

Zwei Stunden später machen wir die nächste Pause. Hier ist eine sumpfige Moorgegend, wunderschön anzusehen. Über einfachen Brettern, die durch das Sumpfgelände gelegt wurden, tasten wir uns vorsichtig voran bis zu einem Aussichtsturm. Uns unbekannte Pflanzen wachsen hier und der Blick geht über die weite Landschaft. Hier wächst auch die Moltebeere, die wir noch näher kennenlernen werden. Unser nächster Halt ist an einem kleinen See. Hier kann man Pfannkuchen essen mit Moltebeeren, Eis und Sahne. Total lecker, muss man probiert haben. Die Pfannkuchen-Bäcker haben mit uns ordentlich zu tun, fast jeder möchte diese Spezialität probieren.

Bei der Weiterfahrt sehen wie dann endlich eine größere Rentierherde am Straßenrand. Der Bus hält, wir steigen aus und tasten uns vorsichtig an die Herde heran. Aber die Tiere lassen sich gar nicht stören. Ein Rentier steht stocksteif mitten auf der Straße und rührt sich nicht von der Stelle. Eigentlich sind diese Tiere ja nicht unbedingt große Schönheiten, aber es ist natürlich trotzdem etwas besonderes, sie so aus der Nähe zu sehen. Hier in Lappland gibt es etwa 190.000 Rentiere.

Am frühen Abend erreichen wir den Holiday Club Saariselkä. Es ist das nördlichste Wellness-Hotel Europas. Die Anlage liegt total einsam im Norden Lapplands, besteht aus dem Hotel und diversen Holzhäusern, gebaut aus dickem soliden Holz. Auch in diesen Häuser kann man übernachten. Abends gibt es wie an den meisten Abende wieder ein leckeres Büfett. Unsere Waage wird zu Hause wohl ausschlagen!

Nach dem Essen bummeln wir noch durch die Anlage, zwischen den Häusern entlang und dann sehen wir zwei Rentiere ganz nahe bei den Häusern. Hatte man uns schon im Bus erzählt, dass manchmal Abends Rentiere bis ans Hotel kommen. Ganz vorsichtig nähern wir uns den beiden und sie lassen sich auch nicht stören.  Mittlerweile ist es 23.00 Uhr und immer noch hell. Schön und ungewohnt.

Samstag, 13. Juli

Es regnet und wir haben nur 5°. Brrr....

Weiter geht es durch die Wildnis Finnlands Richtung Norden über Iwalo bis an den Inari-See. In dieser Gegend leben etwa 30 % Samen. Sie leben hauptsächlich von der Rentierzucht und vom Fischfang. Die Straßen hier sind die reinste Berg- und Talbahn, sehr seltsam, aber sieht auch toll aus. Wenn man eine Anhöhe erreicht hat, bekommt man ein richtig mulmiges Gefühl. Und dann geht es wieder ab nach unten! Was für Straßen! Um 11 Uhr sieht es mittlerweile etwas freundlicher aus und wir haben 10° erreicht. Allmählich ändert sich die Landschaft. Die großen Bäume weichen kleinen krüppeligen Bäumchen, krumm und schief gewachsen und zum Teil ziemlich kahl. Die Gegend sieht moorig aus.

Kurz vor der norwegischen Grenze machen wir noch eine Pause an einem Bach, wieder mit einer typischen Toilette. Wir vertreten uns die Beine und gehen ein wenig am Bach spazieren. Um 12.30 Uhr erreichen wir die finnisch-norwegische Grenze bei der Überquerung des Flusses Inarijoki und fast schlagartig ändert sich die Landschaft. Sie ist nicht mehr so urwüchsig, sondern sieht irgendwie zivilisierter aus. Wir erfahren, dass die niedrigste hier gemessene Temperatur 51° minus betrug. Gut, das wir 15° plus und strahlenden Sonnenschein haben!

Zwei Stunden später machen wir nochmal eine Pause, direkt in einer Bucht am Wasser. Die vielen kleinen und größeren Steine, die den Boden bedecken, laden förmlich ein zum Steinmännchen bauen. Das haben wohl auch schon viele vor uns gedacht, denn hier sind bereits viele Steinchen aufeinander gebaut. Wir fahren jetzt bis zur Nordkapinsel immer am Porsangerfjord entlang. Die Landschaft besteht jetzt aus Wald und allmählich höher werdenden Bergen. Die ersten schneebedeckten Bergspitzen sind zu sehen. Was für eine herrliche Landschaft! Man kann sagen: Finnland ist wild und urwüchsig, Norwegen ist majestätisch.

Der Porsangerfjord ist etwa 123 km lang und damit der längste Fjord Norwegens. Das letzte Stück auf dem Weg zur Insel Mageroya fahren wir durch einen 6875 Meter langen Tunnel. Im Ort Honningsvag ist unser Hotel, das Scandic Honningsvag Hotel. Das Hotel liegt direkt am Hafen, hier legen auch die Schiffe der Hurtigruten an. Wir essen heute schon um 18.00 Uhr, damit wir möglichst zeitig zum Nordkap aufbrechen können. Ja, heute ist es endlich soweit, der Höhepunkt unserer Reise ist erreicht!

Die Fahrt dorthin ist etwa 40 km lang. Die Gegend ist karg, es geht in sanften Serpentinen hinauf. Immer wieder haben wir atemberaubende Blicke hinunter auf den Fjord oder hinauf auf schneebedeckte Bergkuppen. Und dann sehen wir von weitem endlich die Kugel auf dem Nordkap. Noch ein paar Kurven und dann sind wir da. Endlich! Nordkap! Manch einer würde sich umsehen und sagen: Nichts los hier. Nein, viel los ist hier sicher nicht, aber es ist einfach das Gefühl, an einem ganz besonderen Ort zu sein. Lohnenswert anzusehen ist auch ein Film, den man sich ansehen kann, über diesen Ort, mit vielen tollen Momenten und natürlich mit den Nordlichtern, die wir ja jetzt im Sommer nicht zu sehen bekommen.

Mit der Sicht haben wir Glück, die Sonne scheint zwar nicht, aber es ist wenigstens klar. Wir haben zwar nur 6°, aber es fühlt sich gar nicht so kalt an. Gegenüber vom Eingangsbereich steht das Denkmal der sieben Kinder. Dieses Denkmal wurde von sieben Kindern aus verschiedenen Teilen der Welt erschaffen. Es symbolisiert Freundschaft, Zusammenarbeit, Hoffnung und Freude – über alle Grenzen hinweg. Das Projekt wurde 1989 ins Leben gerufen.

Nach zweieinhalb Stunden Aufenthalt versammeln wir uns wieder am Bus. Und dann gibt es zur Feier des Tages noch für jeden eine kleine Flasche Sekt. Wie schön! Voller toller Eindrücke geht die Fahrt zurück zum Hotel und gleich ins Bett. Es ist ja jetzt auch spät genug.

Sonntag, 14. Juli

Aufstehen, Frühstück, los. Nein, ganz so stressig ist es wirklich nicht. Wir können zwar nicht lange schlafen, haben aber immer ausreichend Zeit für das Frühstück und Koffer brauchen wir ja nicht aus- und einpacken. Die Zeit sparen wir schon mal. Wir haben heute morgen 7°. Sonne und Regen wechseln sich ab. Um 8.15 Uhr starten wir Richtung Tromso. Wir sind jetzt etwa die Hälfte der Gesamtstrecke gefahren, also 3.000 km.

Zuerst fahren wir die gleiche Strecke zurück, die wir gestern gefahren sind, bis aufs Festland. Dann geht es durch das Sennaland. Nach etwa 100 km geht es auf die E6 auf der schönsten Fjordstraße Nordnorwegens entlang. Etwa drei Stunden fahren wir am Alta-Fjord entlang. Es ist ziemlich still im Bus, wir sind überwältigt von der Schönheit dieser Gegend. Immer wieder herrliche Ausblicke, keinen Augenblick möchte man den Blick von dieser Landschaft trennen. Wir sind uns alle einig, landschaftlich war dies bisher der beeindruckendste Tag.

Um die Mittagszeit machen wir wieder unsere übliche Mittagspause, stärken uns mit dem leckeren Brot, Wurst und Käse. Leider ist es ziemlich nasskalt. Weiter geht die Fahrt, auf der einen Seite mit Blick auf den Fjord, auf der anderen Seite hinauf auf schneebedeckte Berge. Faszinierend! Heute ist der erste Tag mit etwas Zeitdruck. Wir müssen zwei Fähren erreichen. Ziemlich knapp erreichen wir dann auch die erste Fähre ab Olderdalen. Sie fährt bis Lyngseidet.

Weiter geht die Fahrt 20 km mit dem Bus, dann geht es in Svensby auf die nächste Fähre bis Breivikeidet Ferjekai. Was für ein Name! Jetzt noch 50 km und wir haben Tromso erreicht. Vorbei geht es an der bekannten Eismeerkathedrale.

Wir übernachten hier im Quality Saga Hotel. Es liegt direkt im Stadtzentrum, also können wir heute abend noch ein bisschen die Stadt erkunden. Wir gehen zum Hafen und bummeln durch die Straßen Tromsos.

Montag, 15. Juli

Nach dem Frühstück starten wir bei 9° und freundlichem Wetter Richtung Lofoten, am Lyngenfjord entlang. Wieder eine komplett andere Landschaft finden wir hier vor. Kleine und große Inseln wechseln sich hier ab, die Vesteralen. An einem besonders schönen Aussichtspunkt mit Blick auf die Inselwelt machen wir einen Fotostopp.

Weiter geht die Fahrt. Und dann sehen wir endlich einen Elch! Mitten auf der Straße steht er. Dann springt er auch schon über die Leitplanken und ist auf und davon. Aber wir haben ihn gesehen! Ist schon ein tolles Erlebnis. Unser nächster Halt ist bei einem Zeltdorf mit Souvenierläden und natürlich Softeis. Wir durchstöbern die Läden, probieren Rentierwurst, die gut schmeckt und bewundern die schönen Pullover, Socken und Handschuhe mit den tollen Norwegermustern.

Um 12.30 verlassen wir die E8 und fahren über kleine Straßen weiter und es geht über die erste Brücke. Wir geniessen die Blicke auf diese herrliche Landschaft hier, Wasser, Inseln und hohe Berge. Um 13.45 Uhr haben wir dann einen unfreiwilligen Stopp. Vor uns wird an den Felswänden gearbeitet und die Straße ist gesperrt. Und hier in Norwegen gibt es keine Ausweichmöglichkeit. Rechts der Fjord, links die Felswänden. Da heißt es: Geduld! Und da wir alle im Urlaub sind, nehmen wir die Situation entspannt hin. Man hat uns schon mitgeteilt, dass es wohl über eine Stunde dauern kann. Also machen wir hier einfach unsere Kaffeepause, mitten auf der Straße.

Dann geht es endlich weiter, immer noch am Fjord entlang. Wir halten noch einmal an bei einem Aussichtspunkt, den man über eine Holztreppe erklimmen kann. Und es lohnt sich! Oben angekommen hat man einen herrlichen Blick auf die Lofoten. Wir fahren durch den Ort A i Lofoten und um 17.30 Uhr erreichen wir unser Hotel in dem niedlichen Örtchen Svolvaer. Das Hotel ist das beste während der ganzen Tour. Unser Zimmer ist im 7. Stock und hat eine riesige Fensterfront mit Blick auf den Marktplatz und im Hintergrund sieht man die hohen Berge.

Nach einem guten Essern bummeln wir noch ein wenig durch den Ort. Direkt vor unserem Hotel ist der Hafen und gerade fährt ein Schiff der Hurtigruten ein.

Dienstag, 16. Juli

Endlich ausschlafen! Ja, das tut auch mal gut. Wir können den Tag entspannt beginnen. Der Großteil unserer Gruppe nimmt heute an einer Seeadler-Safari teil. Sie fahren mit einem kleinen Schiff in den Trollfjord und hoffen, die Seeadler möglichst aus der Nähe zu sehen.

Aber zuerst geniessen wir ein super Frühstück! Ja, Ingrid hatte recht, dieses Hotel ist schon was besonderes. Ausser den üblichen  Sachen, die es zum Frühstück gibt und dem wie immer leckeren Brot werden hier vor unseren Augen Omlett, Rührei, Spiegeleier, Speck, Pfannkuchen usw. usw. zubereitet. Kann man gar nicht alles probieren. Gut, das wir zwei Nächte hier sind.

Die wenigen, die nicht an der Seeadler-Safari teilnehmen, erkunden nach dem Frühstück den Ort samt Marktplatz und Hafenanlage. Am Nachmittag sind auch die Teilnehmer der Bootstour wieder da.

Nach dem Essen geht es heute nochmal mit dem Bus los. Wir fahren 25 km über Kabelbek zu dem Künstlerdorf Hänningsvaer, auf einer kleinen Insel gelegen, die wir über mehrere Brücken erreichen. Der Bus bleibt am Ortsrand stehen und wir erkunden das wirklich urige Örtchen zu Fuß. Die Häuser liegen überwiegend am Wasser, man schaut in kleine niedlichen Gassen und überall gibt es Kunstartikel zu sehen, Glas, Bilder und vieles mehr. Und zum Abschluss werden wir noch mit einem ganz tollen Sonnenuntergang belohnt!

Mittwoch, 17. Juli

Heute müssen wir mal wieder eine Fähre erreichen und mein Wecker klingelt bereits um 5.30 Uhr!!! Es ist bedeckt bei 13°. Wir fahren Richtung A i Lofoten, weiter über die Orte Borg und Til Nap. Es geht hier auf den Lofoten im Wechsel über Brücken und durch Tunnel. Allmählich kommt auch die Sonne durch. Dadurch sieht die Lofoten-Landschaft noch schöner aus. Ganz knapp erreichen wir die Fähre von Mockenes nach Bodo. In etwa vier Stunden fahren wie die 100 km bis zum Zielhafen. Da es jetzt richtig warm ist, suchen wir uns einen Platz an Deck und geniessen die Sonne.

Irgendwann können wir dann in der Ferne die ersten Anzeichen von Land erkennen. Bodo auf dem norwegischen Festland ist in Sicht und wir laufen in den Hafen ein.

Auf der Weiterfahrt kommen wir vorbei an Fauske, bekannt für den Marmorabbau. Um 16.30 Uhr machen wir eine kleine Kaffeepause. Und dann geht es in den Saltfjellet Svartisen Nationalpark, die meiste Zeit an einem wilden Bach entlang. Wieder eine vollkommen andere Landschaft, eher wie eine Heidelandschaft, weit und schroff. Aber auch immer wieder Gewässer und gebirgig.

Einmal machen wir noch eine kurze Pause und dann erreichen wir Mo i Rana. Nach dem Essen bummeln wir noch an der Strandpromenade entlang. Die Sonne scheint immer noch und ein paar hartgesottene Einheimische schwimmen im Ranafjords. Hier in Norwegen scheint für die Einheimischen bei 16° Hochsommer zu sein. Sie laufen in kurzen Hosen und ärmellos herum und schwimmen in dem sicher kalten Wasser der Fjorde.

Donnerstag, 18. Juli

Und wieder klingelt der Wecker um 5.30 Uhr. Wir frühstücken zeitig und dann geht es auch schon wieder los, bei Sonnenschein und 14°.

Die Fahrt geht am Ranafjord entlang, bei diesem Wetter natürlich mit herrlichem Ausblick, Richtung Steinkjer. Wir durchfahren immer mal wieder Tunnel. Bei einem Wasserfall machen wir einen Zwischenstopp. Nachdem wir den Ranafjord verlassen haben, geht die Fahrt weiter an dem Fluss Ranelva, einem der längsten Flüsse Norwegens. Immer wieder erhaschen wir einen Blick auf das Wasser, zwischendurch entfernt sich die Straße ein Stück davon. Viele Campingplätze liegen hier in der Nähe des Flusses in einer tollen Lage.

Heute gibt es mal wieder eine rustikale Mittagspause bei 25° mit Blick auf den Fluss. Bei der Weiterfahrt stellen wir fest, dass die Gegend  sich wieder verändert hat. Hier gibt es schon mehr Landwirtschaft, kleinere und größere Höfe liegen hier und die Gegend ist flacher und weitläufiger. Schon fast etwas heimatlich.

Kurz vor Steinkjer beginnt auf der rechten Seite ein Ausläufer des Trondheim-Fjords und wir fahren ein ganzes Stück an diesem Ausläufer entlang. Um 17.00 Uhr erreichen wir dann die Stadt Trondheim, direkt am Trondheim-Fjord gelegen. Da wir heute recht zeitig bei unserem Hotel, dem Quality Augstin, angekommen sind, haben wir vor dem Essen noch Zeit für eine Stadtbummel. Wir spazieren die belebte Straße entlang bis zum Dom. Imposant, wir werfen einen kurzen Blick hinein und umrunden das Gebäude, gehen über den dazugehörigen Friedhof mit uralten Grabsteinen und bewundern die mittelalterliche Bauweise des Doms.

Nach dem Essen gehen wir noch zum Hafen. Hier ist richtig was los, es sieht aus wie ein Hafenfest. Kurz sehen wir uns das Spektakel an, dann gehen wir durch die Straßen zurück zu unserem abendlichen Bus-Treffen. Die Zeit geht langsam dem Ende zu – leider – und wir wollen die gemeinsamen Zeit noch nutzen für Unterhaltungen und Spaß mit unseren Mitreisenden. Wir sind schon ein toller Trupp!

Freitag, 19. Juli

Wir frühstücken um kurz nach sieben und starten dann zu unserer täglichen Tour. Das Wetter ist jetzt immer schön, wir haben um 10 Uhr bereits 20°. Die Fahrt geht durchs Oppdal, hier gibt es 45.000 Schafe, und durch den  Dovrefjell-Nationalpark. Während der nächsten Stunden fahren wir immer an einem Fluss entlang, auf der anderen Seite sehen wir die Bahnschienen für die Verbindung von Trondheim nach Oslo. Die Gegend ist leicht hügelig und sieht fast aus wie eine Heidelandschaft, Wanderwege führen durch die kaum baumbestandene Landschaft. Im Ort Dombas machen wir Mittagspause. Obwohl Dombas nur ein kleiner Ort ist, ist er doch ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt und so sieht es hier auch aus. Der Ortsmittelpunkt ist bevölkert von Menschenmengen.

Während der Weiterfahrt beginnt es zu regnen, aber wir sitzen ja im Trockenen. Hinter Dombas beginnt das sagenumwobene Gudbrandsdal, mit 320 km Länge das „Tal der Täler“ Norwegens. Die Enge dieses Tales ist leicht unheimlich, aber auch faszinierend. Die Felswände scheinen uns sehr nahe zu sein. Wir durchfahren den Dovre-Nationalpark und das Dovre-Gebirge.

In Ringebue machen wir Halt. Passt gut, gerade macht der Regen eine Pause. Hier gibt es eine Stabkirche, eine der größten von noch 28 erhaltenen Stabkirchen in Norwegen. Ein Student führt mit uns eine kleine Besichtigung durch. Hier kann man sogar in der Kirche für die Führung mit Kreditkarte bezahlen, in der Beziehung ist Skandinavien uns doch um einiges voraus. Weiter geht die Fahrt durch den Nationalpark vorbei an Lillehammer,  jedem bekannt durch die Olympischen Winterspiele, am größten Binnensee Norwegens, dem Mjosasee gelegen.

Wir fahren jetzt am Mjosasee entlang. Der See ist 117 Kilometer lang und liegt in der fruchtbarsten Region Norwegens. Wunderschön ist der See. Um 17.30 Uhr machen wir nochmal eine kurze Pause, die wir für ein weiteres Softeis nutzen. Das wird uns wirklich fehlen in Deutschland. Kurz nach 19 Uhr erreichen wir das Scandic Victora Hotel in Oslo, zentral gelegen in der Innenstadt. Nach dem Essen müssen wir uns unbedingt noch ein bisschen in Oslo umsehen. Wir gehen Richtung Hafen und hier ist richtig was los. Menschenmassen ohne Ende, die meisten Biergärten sitzen voll und Straßenkünstler vollführen Kunststücke.  Oslo gefällt uns nach den vielen Tagen überwiegend in der Natur auch mal ganz gut. Und dazu Sonnenschein und 20°, so kann man es aushalten.

Samstag, 20. Juli

Pünktlich um 7.00 Uhr sitzen wir wieder am Frühstückstisch. Da kann sich das BE-Chef-Team wirklich nicht beklagen, pünktlich sind wir immer. Die Sonne scheint, wir haben heute morgen schon 20°.

Um acht Uhr starten wir zu einer Stadtrundfahrt. Wir fahren durch die schöne Stadt Oslo. Am Vigelandpark machen wir halt, hier geht es zu Fuss weiter, einmal quer durch den Park mit seinen vielen menschlichen Figuren. Am anderen Ende des Parks erwartet uns der Bus. Wir fahren nun den Berg hinauf, immer wieder haben wir einen wunderschönen Blick auf die Stadt hinunter. Oben angekommen erwartet uns ein Besuch der Holmenkollen-Sprungschanze. Holmenkollen anzusehen lohnt sich. Ganz schön riesig, wenn man direkt vor der Schanze steht. Kurz vor Mittag erreichen wir wieder den Stadtkern. Jetzt haben wir noch zwei Stunden Zeit, um ein wenig zu bummeln. Und dann müssen wir mit dem Bus nach Göteborg fahren, von hier startet unsere Fähre. Etwas unter Zeitdruck geraten erlauben wir uns keine Pause mehr. Die Fahrt geht auf der E6 entlang, direkt an der Küste mit Blick auf die Nordsee. Erst in Göteborg angekommen wird auch uns bewusst, wie knapp die Zeit ist. Wir sind die letzten Gästen, die an Bord gehen.

Wir gehen noch eine kurze Zeit an Deck, aber es ist jetzt leider ziemlich windig und so suchen wir uns doch lieber einen gemütlichen Platz im Schiff und genießen den letzten Abend unseres Urlaubs.

Sonntag, 21. Juli

Unser letzter Tag. Um 6 Uhr klingelt der Wecker, 7 Uhr frühstücken wir, mit Blick aufs Wasser und um 9.15 Uhr haben wir Kiel erreicht. Wir verlassen das Schiff, ziehen unser Gepäck durch die lange Gangway vom Schiff bis zum Ausgangsbereich. Unser Bus steht schon wieder parat. Und dann geht es Richtung Heimat, noch einmal eine Pause einlegen. Am frühen Nachmittag erreichen wir Minden. Allgemeines Gewusel geht los, Jacken, Kuschelkissen und andere Utensilien werden zusammengesucht, die vielen Koffer müssen aus dem Bus geholt und verteilt werden. Ja, nun sind unsere gemeinsamen Tage vorbei. Durch diese Zeit sind wir schon irgendwie ein richtiges Team geworden und haben ganz tolle Menschen kennengelernt.

Danke an Ingrid und Jürgen für die tolle Organisation!

 

Heidi Skoda